Jovana Reisinger: Spitzenreiterinnen

„Lisa kann keine Kinder bekommen, wird verlassen, rastet aus. Laura fiebert ihrer Hochzeit entgegen, dem Höhepunkt jedes weiblichen Lebens. Barbara ist verloren, seit sie Witwe geworden ist, ein kleiner Hund hilft. Verena erbt eine Luxusvilla mit Seeblick, sie steigt auf. Jolie wird entlassen und schwanger. Petra findet die Liebe und zieht um. Tina hat große Angst und trifft eine Entscheidung.
In ihrem zweiten Roman feiert Jovana Reisingers die Frauen, die sie nach Frauenzeitschriften benennt. Sie zeigt auf, welchen Rollenzwängen und welcher Gewalt Frauen in unserer Gesellschaft unterworfen sind. Und es werden Tipps, Tricks und Geschlechterstereotype verhandelt. Es ist ein Text über weibliche Wut und Ausdauer mit teils bösem Humor, der jedoch nie seine Protagonistinnen verurteilt.“ (Quelle: Verbrecher Verlag)

Die Autorin, Künstlerin und Filmemacherin erzählt warum ihr Buch nur eine Momentaufnahme sein kann, eine Bestandsanalyse über Frauen in unserer Gesellschaft. Die neun Schicksale, die wir darin kennenlernen, zeigen längst nicht erschöpfend alle Facetten von Sexismus und struktureller Gewalt an Frauen auf. Und trotzdem braucht die Autorin keinen Opferpathos. Sie überzeichnet zwar manchmal und schont ihre Protagonistinnen auch nicht, nie fehlt es aber an ehrlicher Empathie und ein bisschen schwarzem Humor.

Jovana Reisinger im Gespräch mit Daniela Fürst. „Spitzenreiterinnen“ ist im Verbrecher Verlag erschienen.

Maja Linnemann: Letzte Dinge

Tod und Bestattungskultur in China.

Die Sinologin Maja Linnemann nimmt uns in diesem Buch mit auf die Erkundungsreisen, die sie unternommen hat, um einige Antworten zu finden auf Fragen wie: Wie wird in der Volksrepublik China heute mit Sterben und Tod umgegangen? Wie verabschiedet man sich von den Verstorbenen? Wie sehen die Bestattungsrituale in Städten und auf dem Land aus? Woher kommen die Bräuche und Rituale, die man dabei beobachten kann? Was geschieht konkret mit den sterblichen Überresten der rund 10 Millionen Menschen, die in China jährlich versterben? Wie sehen die Orte der letzten Ruhe, sprich Friedhöfe, aus? Wer verdient mit dem Tod sein Geld und wie?

Nach dem Tod ihres Schwiegervaters 2016 begibt sie sich auf intensive Recherche und versammelt in dem Buch nicht nur die Ergebnisse, sondern lässt uns auch an ihrem persönlichen Erfahrungsschatz teilhaben.

Maja Linnemann im Gespräch mit Daniela Fürst. „Letzte Dinge. Tod und Bestattungskultur in China“ ist im Drachenhaus Verlag erschienen.

Claudia Tondl: Klosterneuburg sagst du

Das Buch „Klosterneuburg sagst du“ ist das Ergebnis eines community.art.projektes, das die Dramatikerin Claudia Tondl gemeinsam mit dem KUNSTLABOR Graz, der Caritas Pflege NÖ-Ost und dem Netzwerk Klosterneuburg Gut leben mit Demenz umsetzte. Durch Gespräche mit hochbetagten, an Demenz erkrankten Klosterneuburger*innen im Rahmen von Erzählcafés entwickelte Claudia Tondl die literarische Grundlage für das nun vorliegende Buch. Aus einzelnen Worten und Sätzen entsteht nach und nach ein dichtes Gewebe aus Erzählfragmenten. Melancholie, Sentimentalität und Sehnsucht nach Vergangenem ist zu spüren. Auch das Schwere, Bedrohliche wird sichtbar, man hört von einer Generation, die sich bemüht aus dem Krieg wieder in einen Alltag zu finden, die sich lieber an den Wiederaufbau erinnert, daran wie alles besser wurde, als an die traurigen Erlebnisse und Erfahrungen.

Die Vielstimmigkeit des Textes vereint sich in einem „Du“, das angesprochen wird. Vielleicht ist das Klosterneuburg? Im Dialog zwischen Text und Bild, im Nicht- und Wiedererkennen, in Leerstellen, Auslassungen und der Wiederholung im Sinne eines Wieder-Holens spricht das Buch mit seinem Leser, seiner Leserin. Es lädt ein zum Weitersprechen, Weitererzählen.

Claudia Tondl legt damit eine lyrische Verdichtung eines mehrjährigen Prozesses der Auseinandersetzung vor. Eine komplexe Übersetzungsarbeit, die Leser*innen eine mehrdimensionale Rezeption ermöglicht.

Mehr Informationen zu dem Projekt unter https://www.kunstlabor-graz.at/projekte/ein_ort_und_sein_gedaechtnis_-_klosterneuburg_erzaehlt

Die Autorin Claudia Tondl im Gespräch mit Christian Berger (literadio). Das Buch erschien im Frühjahr 2021 in der Literaturedition Niederösterreich.

Jürgen Kaizik: Ich und der Andere

„Für den Weltstar Jim Morrison scheint alles zu Ende, bevor es richtig losgegangen ist. Zwar hat der gescheiterte Filmstudent zusammen mit Gleichgesinnten seine eigene Band, The Doors, gegründet, aber ihre Karriere droht in schäbigen Vorstadtspelunken von Los Angeles zu versanden. Drogen, Alkohol und Sex sind eben leichter zu haben als die neue, authentische Musik, von der sie gemeinsam träumen. Eines Abends sitzt ein Typ im Publikum, der dort nicht hinpasst. Seine bloße Anwesenheit stört – und Jim verliert die Nerven. Von da an wird alles anders. Hinterher nennt Jim den Fremden Hölderlin, weil er ihn an eine Zeichnung dieses vor langer Zeit im Wahnsinn verstorbenen Dichters erinnert. Jim Morrison soll im Sommer 1971 in Paris gestorben sein. Angeblich in einer Badewanne ertrunken. Doch niemand, der ihn kannte, hat seine Leiche gesehen. Vielleicht liegt ein leerer Sarg in jenem Grab auf dem Friedhof Père Lachaise, auf das viele Menschen bis heute frische Blumen legen.“ (Quelle: Braumüller Verlag)

Jürgen Kaizik bringt in seinem Roman zwei Männer zusammen, die sich im realen Leben niemals hätten begegnen können. Für den Autor haben die beiden – Friedrich Hölderlin und Jim Morrison – aber viel gemeinsam. Sie versuchten zu Leben, was ihnen ihr Innerstes vorgab und sind, jeder für sich auf seine Art, daran zerbrochen. Ein philosophisches Gespräch über das Wesentliche im Leben und was wir von den beiden lernen könnten.

Jürgen Kaizik im Gespräch mit Daniela Fürst. Das Buch ist im Braumüller Verlag erschienen.

Michael Schmölzer: Die Befreiung Wiens

Cover: Theodor Kramer Verlag

Ein Gespräch mit dem Autor Michael Schmölzer über das 2020 im Theodor Kramer Verlag erschienene Buch „Die Befreiung Wiens – April 1945. Gespräche mit Überlebenden.“

Zum 75. Jahrestag der Befreiung Wiens durch die Rote Armee kommen 17 Frauen und Männer zu Wort, die während der Kämpfe 1945 in der Stadt waren und sich an die Ereignisse erinnern können. Sie waren noch Kinder oder Jugendliche und erlebten gemeinsam mit ihren Eltern die Bombenangriffe. Sie wurden als Kindersoldaten missbraucht und mussten den Schutt der zerbombten Häuser wegräumen. Was den einen Rettung vor der Bedrohung durch die Nationalsozialisten war, bedeutete für andere neue Gefahr. Es ist ein vielfältiges und in vielem auch neues Bild, das der Journalist und Autor und seine ZeitzeugInnen von den Ereignissen zeichnen.

Ergänzt werden die Berichte der Zeitzeugen durch kontextualisierende Einschübe mit historischen Fakten zu den letzten Kriegstagen und die damit zusammenhängenden über Generationen hinaus wirkenden Traumatisierungen.

Gast: Michael Schmölzer
Redaktion: Christian Berger
Verlag: Theodor Kramer

Rudi Burda: Geschichten aus dem Widerstand

Cover Rudi Burda Sandige Leiten, rote Saat  Th.Kramer VerlagIn seinem Roman verknüpft Rudi Burda die Erinnerungen seiner Eltern und ihrer GenossInnen aus dem antifaschistischen Widerstand rund um den Sandleiten Hof mit fiktiven Erzählungen, deren verbindendes Motiv die gelebte Solidarität unter schwierigsten Bedingungen ist.

Rudi Burda, Jahrgang 1951, Wiener Liedermacher, aufgewachsen in Ottakring und Hernals. war Lehrer, ist als „Zweitzeuge des Widerstands“, vorwiegend an Wiener Schulen unterwegs. (Theodor Kramer Verlag, Wien)

Im Gespräch mit Christian Berger erzählt er über die Entstehung des Buches, seine Arbeit als Zweitzeuge und Musiker. Zwei Lieder über den Widerstand rahmen das Gespräch.

Gast: Rudi Burda
Produktion: literadio-Christian Berger
Theodor Kramer Verlag