Alexander Peer (Hg.) Schreibende Nomaden entdecken Europa

Zwölf Impressionen und Essays

„Nur Mittel zum Zweck? Oder selbst der Literatur würdig? Die Produktionsbedingungen bringen es mit sich, dass schreibende Zeitgenossen viel unterwegs sind. Ganz profan geht es oft ums Geld. Oder doch nicht? Acht Autoren und vier Autorinnen gehen dieser Frage nach, und dass unter diesen Umständen zwölf vollkommen verschiedene Sichtweisen und Bearbeitungen herauskommen, versteht sich von selbst. Essay, Erzählung, Reportage, intime Berichterstattung – Textsorten vermischen sich zu einer Sammlung an inhaltlichen und formalen Grenzüberschreitungen und öffnen den Blick auf Europa, für Flüchtiges, Verdrängtes, auch Stilles. Was mitschwingt, ist der alte Topos, Schreiben selbst sei eine Art Nomadentum, ein Aufbruch ins Ungewisse, wobei das gesuchte Ziel oft im Weg ist, denn der literarische Text schafft, was vorher noch nicht gestaltet ist.
Schreibende Nomaden erkunden Europa von Island über Skandinavien, Großbritannien und Italien bis ins Donaudelta, sie lassen uns teilhaben an der Bewegung, daran, welche Bedeutung Reisen in ihrem Schaffen hat, wie unterwegs Literatur entsteht – oder eben nicht.“ (Quelle: Limbus Verlag)

Mit Beiträgen von Sabine Bockmühl, Andreas Drescher, Isabella Feimer, Catalin Dorian Florescu, Matthias Nawrat, Helmuth A. Niederle, Werner Rohner, Paula Schneider, Erwin Uhrmann, Axmed Cabdullahi & Ulrike Ulrich, Peter Wawerzinek und Daniel Wisser, herausgegeben von Alexander Peer.

Im Gespräch mit Daniela Fürst beschreibt der Herausgeber nicht nur seine Intention zum Buch, sondern er erzählt von seinem eigenen „Nomadentum“, welches Einfluss seine Reisen auf das Schreiben haben und warum ihm das geografische, politische und soziale Europa – mit all seinen Problemen – so unter der Schreibfeder brennt.

Das Buch ist im Limbus Verlag erschienen. Die Entstehung wurde freundlicherweise unterstützt von der Fondation Jan Michalski, dem Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres und der Kulturstiftung Lichtenstein.

Franzobel: Heldenlieder

„Die vorliegenden Texte, eigentlich Lieder, entstanden für das siebzigjährige Jubiläum des österreichischen Chorverbandes und setzen den Helden des Alltags kleine Denkmäler. Hier werden keine Feldherrn und Kaiser geehrt, keine Olympiasieger und Leinwand-Stars, sondern Widerstandskämpfer, Friedensaktivisten, Wilderer und Weltmaschinenbauer. Es geht vor allem um die »kleinen Leute«, deren achtsamer Umgang mit der Schöpfung die Welt ein bisschen besser gemacht hat. Je nach geehrter Persönlichkeit finden die Texte formale Entsprechungen und dialektale Anklänge. Auch in den beigestellten Bildern geht es um Helden und Strukturen des Daseins, um Achtsamkeit und beachtenswerte Geschöpfe, denen durch Fokussierung Ansehen und Würde verliehen wird.“ (Quelle: Edition Melos)

Franzobel im Gespräch mit Daniela Fürst über die besondere Entstehungsgeschichte der „Heldenlieder“, über das Heldentum an sich und was die Wilderei damit zu tun hat. Das Buch, mit Bildern von Ramona Schnekenburger, ist in der Edition Melos, in der Reihe vers libre als Band 5 erschienen.

Michael Kegler über „Das Viertel“ – ein zehnteiliger Zyklus von Gonçalo M. Tavares

Gonçalo M. Tavares: Das Viertel. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler und mit Zeichnungen von Rachel Caiano.

Der Übersetzer Michael Kegler im Gespräch.

„Gonçalo M. Tavares, wuchs in Aveiro im Norden von Portugal auf. Er unterrichtet Erkenntnistheorie an der Universität in Lissabon. Seit seinem Debüt im Jahr 2001 zählt er zu den bedeutendsten portugiesischen Autoren seiner Generation. Sein Werk, das neben Lyrik, Dramen, Romanen und Erzählungen auch Kinderbücher und Essays umfasst, wurde weltweit in rund 40 Sprachen übersetzt und binnen kurzer Zeit mit einer beeindruckenden Zahl an hohen internationalen Auszeichnungen beehrt.

Literatur ist für Tavares mit der Idee eines offenen Raums verbunden, der Bewegung, Spiel und Erkenntnis ermöglicht. So hat der Autor ein ganzes Viertel erschaffen und dieses mit illustren Herrschaften bevölkert. Tavares selbst bezeichnet das Ensemble als „ein Asterix’sches Dorf: ein Ort, an dem man versucht, dem Eintritt der Barbarei zu widerstehen“. Diese höchst vergnüglichen Bände sind kleine Hommagen, die die Sprache des jeweiligen Schriftstellers und seine spezifische Sicht auf die Welt aufnehmen und mit alltäglichen Problemen kollidieren lassen.

In der Edition Korrespondenzen sind bisher folgende Bände aus dem zehnteiligen Zyklus Das Viertel erschienen: Herr Valéry und die Logik, Herr Henri und die Enzyklopädie, Herr Brecht und der Erfolg, Herr Juarroz und das Denken und Herr Kraus und die Politik. Die Edition Korrespondenzen wird den Bummel durch Das Viertel von Gonçalo M. Tavares fortsetzen und in jedem der kommenden Halbjahre einen weiteren Band aus dem zehnteiligen Zyklus präsentieren.“ (Quelle: Edition Korrespondenzen)

Der Übersetzer Michael Kegler spricht mit Daniela Fürst nicht nur über Idee, Inhalt und die Besonderheiten von Das Viertel, sondern beschreibt auch seine ganz persönlichen Erfahrungen während der Übersetzungsarbeit und warum ein Buch der Reihe ihm besonders gefällt.

Barbara Kadletz: Im Ruin

Katharina betreibt im Wiener Bezirk Favoriten eine kleine Bar. Das »Ruin« ist Zufluchtsort und Auffangbecken so mancher gestrandeten Persönlichkeit. Hier sind alle willkommen, um sich ein wenig vom Leben zu erholen. Katharina und ihre unkonventionelle Freundin Sabina schmeißen den Laden mit viel Verve und Humor. Zumindest war das früher so. Denn nach dem Tod ihres Freundes David fällt es Katharina schwer, sich an ein neues Leben ohne ihn zu gewöhnen. Bis eines Nachts ein geheimnisvoller neuer Gast hereinschneit und es sich von nun an jeden Abend am besten Platz des Lokals bequem macht. Zwischen Ari und Katharina entsteht eine Freundschaft, die beide bitter nötig haben …“ (Quelle: Edition Atelier)

Ein charmantes und spritziges Großstadtmärchen über Freunde, jede Menge Musik, die Neunzigerjahre und über Wien und die Ränder der Stadt.

Die Autorin im Gespräch mit Susanne Peter. Das Buch ist in der Edition Atelier erschienen.

Michael Stavarič: zu brechen bleibt die See

Ein Plädoyer

Wo es zusehends schwerer fällt, die Komplexität unserer Umwelt zu begreifen, dort kann die kleinste poetische Betrachtung zum Ausgangspunkt der Orientierung werden. Das Leben ganzer Gesellschaften scheint längst unverständlich. Überall treten Mängel, Zäsuren, Brüche und Gräben zu Tage, deren Auflistung die Ohnmacht eines Einzelnen zu zeigen scheint. Mit Poesie lässt sich dem Wahnsinn keinesfalls adäquat begegnen – oder vielleicht doch?
Ist nicht das Negieren einer Sinnhaftigkeit von Poesie der einzige Weg, ihr gleichzeitig die ultimativste aller Liebeserklärungen zu machen? Die Bankrotterklärungen in unserer Welt sind mannigfaltig. Umso wichtiger wird die Botschaft der Poesie: Wir sind Sprache. Wir sind Erinnerung. Wir sind Kritik. Wir sind der Anfang.“ (Quelle: Czernin Verlag)

Ein Plädoyer von Michael Stavarič, weitergesponnen von Isabella Feimer, Katharina J. Ferner, Andea Grill, Nancy Hünger, Helga Locher, Hanno Millesi, Martin Piekar, Petra Piuk, Helene Proißl, Tanja Raich, Barbara Rieger und Julia Willmann.

Der Autor im Gespräch mit Susanne Peter. Das Buch ist im Czernin Verlag erschienen.

Sama Maani: Worüber man als Jude nicht schreiben sollte

In seiner Auseinandersetzung schreckt Sama Maani vor keinem Ärgernis zurück. Nicht, dass er Provokation um ihrer selbst Willen betriebe, beileibe nicht, aber wer keine Scheu hat, sich im Denken mitunter auch dorthin zu begeben, wo es richtig wehtut, wird unausweichlich als provokant wahrgenommen. Zu hören ist ein Streifzug durch die reiche Themenlandschaft seines bei Drava erschienenen Essaybandes.
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