Thomas Ballhausen: Transient

Ein Lyric Essay mit digitalen Zeichnungen von Elena Peytchinska.

„Mythologie trifft Science-Fiction, Lyrik trifft Künstlerische Forschung – »Transient« erzählt vom Ende einer großen Liebe in Zeiten des Untergangs. Thomas Ballhausen verwebt Antike, Pop und Philosophie zu einem rauschhaften Langgedicht über die Zumutungen menschlicher Existenz vor dem Hintergrund einer phantastischen, wüsten Wirklichkeit. Seine Modernisierung des »Alkestis«-Stoffes erzählt von Schuld, Schande und dem Wunsch nach Vergebung. Der vielschichtige, stark rhythmisierte Text wird von digitalen Zeichnungen der Künstlerin Elena Peytchinska ergänzt und begleitet.“ (Quelle: Edition Melos)

In Ballhausens alternativer Annäherung an die griechische Tragödie der Alkestis steht der Sterbende und Zurückgelassene im Zentrum und spricht über Verlust, Trauer, Vergebung und Verzeihung. Der Titel verweist dabei auf das vorübergehende Ereignis, das abhängig von der Perspektive unterschiedliche Positionen in Zeit und Raum einnehmen kann. Und nicht zuletzt ist das Essay wieder ein Stück künstlerischer Forschung, dass durch Verknüpfung von Text und Bild versucht, das wissenschaftstheoretische Spektrum zu erweitern. Thomas Ballhausen im Gespräch mit Daniela Fürst. Das Buch ist in der Edition Melos erschienen.

Gerhard Ruiss: lieber, liebste, liebes, liebstes – Andichtungen

„So eindeutig sich Titel und Untertitel dieser Sammlung geben, so uneindeutig sind sie gemeint. Drei persönlichen Ansprachen folgt ein nicht mehr auf Menschen bezogenes „Liebstes“. Nur eine der drei persönlichen Ansprachen verweist auf Liebesbeziehungen, die beiden anderen dienen zur Belobigung oder Belehrung. Noch klarer kommt die Vielschichtigkeit des vermeintlich vorbehaltlosen Zuspruchs im Untertitel zum Ausdruck. Ob ein Gedicht wen oder wogegen es andichtet oder was es wem andichtetet, lässt sich nur im konkreten Einzelfall sagen.
Aus diesem Fundus beziehen die sich um die Themenstellung persönlicher und allgemeiner Anreden, Vorlieben und Behauptungen gruppierenden Gedichte ihre Möglichkeiten und kommen dabei zu den unterschiedlichsten Ergebnissen, Obsessionen, Hingaben und Anbetungen nicht ausgeschlossen, ganz im Gegenteil.“ (Quelle: Literaturedition NÖ)

In der Tradition der konkreten Poesie verhaftet, spielt Gerhard Ruiss regelrecht mit der Sprache und benutzt diese gestalterisch und lautmalerisch. Und Dank der nicht unerheblichen Manuskriptstapel auf seinem Schreibtisch können wir uns bald auf Neues freuen. Der Autor im Gespräch mit Daniela Fürst. Das Buch ist in der Literaturedition Niederösterreich erschienen.

Thomas Arzt: Die Gegenstimme

„April 1938: Der Student Karl Bleimfeldner kehrt in seinen Heimatort zurück, um gegen den „Anschluss“ an Hitlerdeutschland zu stimmen – als Einziger im Dorf. Die riskante Tat bleibt nicht ohne Folgen im politisch aufgehetzten Landstrich. Gerüchte werden laut. Die Familie verstummt. Eine Handvoll Übermütiger bricht auf, um den Verräter im Wald zu stellen. Wie durch ein Brennglas nimmt Thomas Arzt in „Die Gegenstimme“ die 24 Stunden des 10. April in den Blick, an dem sich die nationalsozialistische Machtübernahme in Österreich vollzog. Vielstimmig und eindringlich schildert er die Geschichte seines eigenen Großonkels – als fieberhaft rastlose Erzählung über Mitläufertum, Feigheit, Ausweglosigkeit, Fanatismus und Widerstand.“ (Quelle: Residenz Verlag)

Die seltsam „defekte“ Sprache und die Vielstimmigkeit an Personen, die der Autor sprechen lässt, ziehen uns soghaft hinein in den Strudel jenes Tags, an dem über den „Anschluss“ Österreichs entschieden wurde. Zugleich ist es die Geschichte seines Urgroßonkels, die Thomas Arzt aufarbeiten wollte und aus der letztendlich dieses Romandebüt entstanden ist.

Der Autor im Gespräch mit Daniela Fürst. Das Buch ist im Residenz Verlag erschienen.

Margret Kreidl: Schlüssel zum Offenen

„Spiel und Regel gehören für Margret Kreidl zusammen, gerade im Gedicht. Sie verwendet in »Schlüssel zum Offenen« das G-E-D-I-C-H-T buchstäblich, als Codewort für ihre siebenzeiligen Gedichte. Mit dieser strengen Vorgabe macht sie die Möglichkeiten des lyrischen Sprechens sichtbar: freie Verse, Reime, Listen, Zeilensprung.
Die Autorin verortet ihr Schreiben in der Zeit, in der Auseinandersetzung mit einer Gesellschaft, deren Krise sich in der Sprache spiegelt. Sie versteht das Gedicht immer auch als Dialog mit anderen, mit Literatur, Kunst und Medien. So kommen Anne Carson und Candy Crash zusammen, Live-Ticker und Märchenmotive, Tendenzbären und Trolle, Wanderkrapfen, der Hinkjambus und das türkische Wort haymatloz. Die Lust am Wort und die assoziative Bildkraft dieser Gedichte beflügeln nicht nur unsere Phantasie, sondern schärfen zugleich das Bewusstsein.
Mit ihren GEDICHT-Gedichten nimmt Margret Kreidl das Spiel mit dem Akrostichon auf und reflektiert seine Form in einer Serie von 107 Leistengedichten, die zeigen, wie produktiv Selbstbeschränkung für unsere Gegenwart ist, für das Gedicht.“ (Quelle: Edition Korrespondenzen)

Bildgewaltig, teils humorig, teils erschreckend genau sind die Siebenzeiler. Und selbst im Gespräch zum Buch, kann man der Autorin regelrecht beim Denken und Assoziieren zuhören. Gedichte, in denen uns Margret Kreidl viel Einblick in ihre ganz persönliche Gedankenwelt gewährt. Die Autorin im Gespräch mit Daniela Fürst. Das Buch ist in der Edition Korrespondenzen erschienen.

Rudolf Habringer: Leirichs Zögern

„Gregor Leirichs Leben gerät aus den Fugen. Eine Fremde spricht ihn an und eröffnet ihm, dass er einen Halbbruder hat, von dessen Existenz er bisher nichts wusste. Leirich, der es sich als Historiker am Institut für Zeitgeschichte gut eingerichtet hat in seinem Leben, reagiert in höchstem Maß erschrocken. Mit wem soll er sich austauschen? Mit seinen Schwestern? Seiner Exfrau? Seiner Tochter? Er beginnt zu recherchieren und erfährt, dass der Halbbruder ganz in der Nähe lebt. Warum hat er sich nicht zu erkennen gegeben? Warum haben die, die von ihm wussten, über Jahrzehnte geschwiegen? Und vor allem – warum hat der Vater nie etwas erzählt von seinem ersten, im Krieg gezeugten Kind? Plötzlich muss sich der Historiker seiner eigenen Familiengeschichte stellen. Unversehens gerät die Auseinandersetzung mit dem unbekannten Bruder zu einer Beschäftigung mit Leirichs Kindheit, dem lange schon verstorbenen Vater und einem Schweigen, das zum Teil der Persönlichkeit des Vaters geschuldet ist, zum anderen Teil den gesellschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit.
Mit Leichtigkeit und Intensität zugleich erzählt Rudolf Habringer von der Scheu eines Mannes, der sich erst nur zögerlich vorwärtstastet, schließlich aber die Begegnung wagt und ein Familientreffen arrangiert. Ein starker Roman, der an Tabus rührt und unangenehme Fragen stellt: Wie sicher sind die Wahrheiten, auf denen unser Leben steht?“ (Quelle: Otto Müller Verlag)

Rudolf Habringer beschriebt auch die besondere Natur des Historikers und sein persönliches Interesse an der „erzählten Vergangenheit“ und dem, was wir als Unterbewusstes definieren. Der Autor im Gespräch mit Daniela Fürst. Das Buch ist im Otto Müller Verlag erschienen.

Jovana Reisinger: Spitzenreiterinnen

„Lisa kann keine Kinder bekommen, wird verlassen, rastet aus. Laura fiebert ihrer Hochzeit entgegen, dem Höhepunkt jedes weiblichen Lebens. Barbara ist verloren, seit sie Witwe geworden ist, ein kleiner Hund hilft. Verena erbt eine Luxusvilla mit Seeblick, sie steigt auf. Jolie wird entlassen und schwanger. Petra findet die Liebe und zieht um. Tina hat große Angst und trifft eine Entscheidung.
In ihrem zweiten Roman feiert Jovana Reisingers die Frauen, die sie nach Frauenzeitschriften benennt. Sie zeigt auf, welchen Rollenzwängen und welcher Gewalt Frauen in unserer Gesellschaft unterworfen sind. Und es werden Tipps, Tricks und Geschlechterstereotype verhandelt. Es ist ein Text über weibliche Wut und Ausdauer mit teils bösem Humor, der jedoch nie seine Protagonistinnen verurteilt.“ (Quelle: Verbrecher Verlag)

Die Autorin, Künstlerin und Filmemacherin erzählt warum ihr Buch nur eine Momentaufnahme sein kann, eine Bestandsanalyse über Frauen in unserer Gesellschaft. Die neun Schicksale, die wir darin kennenlernen, zeigen längst nicht erschöpfend alle Facetten von Sexismus und struktureller Gewalt an Frauen auf. Und trotzdem braucht die Autorin keinen Opferpathos. Sie überzeichnet zwar manchmal und schont ihre Protagonistinnen auch nicht, nie fehlt es aber an ehrlicher Empathie und ein bisschen schwarzem Humor.

Jovana Reisinger im Gespräch mit Daniela Fürst. „Spitzenreiterinnen“ ist im Verbrecher Verlag erschienen.