Dominik Barta: Vom Land

Dass Theresa, um die sechzig und Bäuerin, sich plötzlich krank fühlt, bringt alle Gewissheiten ins Wanken. Die erwachsenen Kinder müssen anreisen, von wo auch immer es sie hin verschlagen hat, um endlich wieder miteinander zu reden. Theresas Mann muss lernen, Hilfe und Gefühle zu akzeptieren. Und selbst der zwölfjährige Daniel muss seinem verbohrten Onkel Max entschlossen entgegentreten, um seinen einzigen wirklichen Freund zu schützen. Theresa aber schweigt, findet keine Worte, keinen Weg.
Mit großer Präzision und archaischer Kraft und Empathie erzählt Dominik Barta in seinem Debütroman von den Menschen und den Umständen. Er schreibt eine große Tradition der österreichischen Literatur fort und geht dorthin, wo die Provinz heute politisch ist.“ (Quelle: Zsolnay Verlag)

Dominik Barta blickt in seinem Debüt auf ein Stück Land, so wie er es in seiner Kindheit erlebt hat. Er lässt aber im Buch nicht nur Generationen und Kulturen mit ihren Wünschen und Vorstellungen aufeinanderprallen, sondern zeichnet auch das Portrait einer eigentlich starken Frau, die letzten Endes aber am omnipräsenten Schweigen zerbricht.

Der Autor im Skypegespräch mit Daniela Fürst (die sich an dieser Stelle für die Qualität entschuldigt und trotzdem ein gutes Zuhörerlebnis wünscht). Das Buch ist im Zsolnay Verlag erschienen.

Elisabeth Klar: Himmelwärts

Wir alle spüren es: Der Raum für die, die anders denken, anders aussehen und anders lieben, wird wieder enger, die Bedrohung größer. Noch gibt es das „Himmelwärts”, die glitzernde Bühne der Dragqueens, der Zufluchtsort der Außenseiter und Nachtgestalten. Die gut versteckte Bar ist der einzige Ort, an dem sogar Sylvia sich sicher fühlt. Denn seit Sylvia, das Füchslein, auf der Flucht eine Menschenhaut von der Wäscheleine gerissen hat, lebt sie als Frau unter den Menschen, zusammen mit Jonathan, dem Träumer, dem Weltenretter. Doch als Jonathan ein gefiederter Tumor aus dem Rücken wächst und seine Verwandlung beginnt, wird klar: Nicht alles, was Flügel hat, fliegt, doch für die Utopie des „Himmelwärts“ lohnt es sich allemal zu kämpfen.“ (Quelle: Residenz Verlag)

Eine Mischung aus Fabel, Zeitgeist und klaren politischen Ansagen lässt Elisabeth Klars dritten Roman zu einem ganz besonderen werden. Die Autorin erzählt über ihre Intentionen zum Buch, warum es im Text nur eine mögliche Perspektive für sie gab und die Kraft von Symbolen darin.

Elisabeth Klar im Gespräch mit Daniela Fürst. Das Buch ist im Residenz Verlag erschienen.

Simone Hirth: Das Loch

Lieber Frosch! Lieber Jesus! Liebe Madonna! So beginnen die Briefe einer Mutter, die zu schreiben versucht, aber kaum noch dazu kommt. Seit sie ein Kind hat, fühlt sie sich isoliert und in alten Rollenmustern gefangen. Sie hat viele Fragen: nicht nur zum Muttersein und zur Ehe, sondern zur Welt und zu den Dingen, wie sie sind. Hat sich Jesus schon mal Gedanken übers Kinderkriegen gemacht? Und wie verbringt eigentlich Mohamed den Weltfrauentag? Sie schreibt Briefe an Schneewittchen, an Ulrike Meinhof, an ihren Schwiegervater und Sohn. Je mehr Briefe sie schreibt, desto wütender wird sie: auf die ungerechte Rollenverteilung, auf die Religion und Politik.

Simone Hirth gelingt es in ihrem neuen Roman, tief in die festgefahrenen Strukturen unserer Gesellschaft einzudringen. Dabei überzeugt sie einmal mehr mit ihrem ganz eigenen und neugierigen Blick auf die Welt und schafft den Spagat zwischen Wut und Optimismus. Die Dinge müssen eben nicht so bleiben, wie sie sind.“ (Quelle: Kremayr & Scheriau)

Die Autorin im Gespräch mit Daniela Fürst über die Entstehungsgeschichte des Buches, aber auch die Frage, was aktuell Muttersein für Frauen bedeutet und welche Auswirkungen es auf deren Rolle und Stellenwert in der Gesellschaft hat. Ihr dritter Roman ist im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen.

Gunther Neumann: Über allem und nichts

Intensiv und atemlos erzählt Neumann von den Höhenflügen und Abgründen einer außergewöhnlichen Frau auf der Suche nach sich selbst.

Immer schon war Clara fasziniert vom Fliegen. Oder doch nur auf der Flucht? Nun scheint ihr Ziel erreicht: Als Pilotin einer Billig-Airline behauptet sie sich in einer rücksichtslosen Männerwelt, zwischen Bangkok und Berlin, Colombo und Cancun, Mombasa und Madrid hat sie sich den Himmel erobert. Sie vermag eine Boeing 777 durch die heftigsten Turbulenzen zu steuern, doch ihr eigenes Leben entgleitet ihr zusehends. Zerrissen zwischen zwei Männern, heimgesucht von Erinnerungen an frühen Missbrauch, bewegt sie sich rastlos durch anonyme Flughäfen und fremde Metropolen. Erst ein Rückzug auf die tropische, vom Bürgerkrieg verwundete Insel Sri Lanka ermöglicht ihr, sich den Geistern der Vergangenheit zu stellen.“ (Quelle: Residenz Verlag)

Der Autor im Gespräch mit Daniela Fürst über das Fliegen als Metapher nicht nur für das Leben seiner Protagonistin, sondern dem von uns allen. Neumanns erster Roman ist im Residenz Verlag erschienen.

Mehr zu Gunther Neumann: www.gunther-neumann.com

Louise Werner, Verena Mermer (Hg.): “… aber mir hat der Marxismus besser gefallen!”

Erinnerungen 1931 bis 2001

“Louise Werners Leben beginnt mit einer Kindheit im Roten Wien und unter dem Austrofaschismus. Kurz vor ihrem zehnten Geburtstag muss sie die Machtergreifung der Nationalsozialisten miterleben. Ihr nach den Nürnberger Gesetzen jüdischer Vater, Angehöriger einer Widerstandsgruppe, wird 1944 im KZ Warschau ermordet. Als überzeugte Sozialistin kritisiert Werner die großen Versäumnisse nach der Befreiung. Sie sieht sich erneut mit autoritären Denk- und Handlungsmustern konfrontiert, mit den Auswirkungen rechter Männerbündelei und politischer Seilschaften auf das „Private“, auf Frauen und Kinder.
Louise Werners Autobiographie liest sich als Lehrbuch für konkrete Empörung. Nicht ein Distanzieren und Verachten wird nahe gelegt, sondern ein genaues Benennen und Bekämpfen dessen, was schief lief in der Zweiten Republik – im Hinblick auf die Rechte und Lebensentwürfe der in der NS-Zeit Zurückgesetzten und besonders der Frauen.” (Quelle: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft)

Louise Werner (Pseudonym), geboren 1928 in Wien. Besuch des Konservatoriums, Studium der Geschichte. Tätigkeiten als Haushaltsarbeiterin, Geigerin, Sekretärin und Bibliothekarin. Verantwortliche für Kinder- und Jugendliteratur und Verfasserin von Rezensionen an der Städtischen Bücherei Wien. Louise Werner verstarb am 6. März 2018 in Wien.

Die Herausgeberin Verena Mermer im Gespräch mit Daniela Fürst. Sie erzählt über die Entstehungsgeschichte des Buches, die intensive Arbeit am Text und den generellen Umgang mit ZeitzeugInnenschaft und deren Bedeutung für die Gegenwart.