Nachruf von Helmut Hostnig

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Autor/in: Helmut Hostnig

Sendereihe: In Memoriam Christian Berger
Produktionsdatum: 24.02.2026


Christian war ein aufmerksamer, ein außergewöhnlicher Mensch, um in alphabetischer Reihenfolge mit den Eigenschaften zu beginnen, die ihn in jeder seiner vielen Rollen ausgezeichnet haben: bei jeder Begegnung belebend, manchmal belehrend und besserwisserisch, dann wieder charismatisch, einfühlsam, ehrlich, humorvoll, immer lernbereit, neugierig, zugewandt, manchmal provokant, aber nie zynisch…immer prinzipientreu seine Überzeugungen lebend…

Widerspenstig. Das war seine herausragende Eigenschaft. Hat gegen den Strich gebürstet. Obrigkeiten herausgefordert. Sich bewusst gegen systemisch bedingte Barrieren gestellt, institutionelle Zwänge bekämpft, nach Alternativen gesucht.

Christian war ein unermüdlicher Netzwerker und immer hatte sein Engagement mit handlungsorientierter Bildung im weitesten Sinne zu tun. Unzählige medienpädagogische Seminare, Fachtagungen und Workshops hast du abgehalten und Projekte begründet oder gefördert, die mit Inklusion zu tun hatten und haben.

Moralisch verpflichtet den Schwächeren, die keine Stimme haben, hast du die Wiener Radiobande ins Leben gerufen und die von Lehrerinnen mit Schülerinnen erarbeiteten Sendungen bei Orange 94.0 on air gebracht; eine Initiative, die heute noch Bestand hat.

Du warst es, der Lehrer und Lehrerinnen im Rahmen der Wiener Radiobande eingeladen hat, mit besonders benachteiligten Schülerinnen an der Friedensflote „Mirno More“ teilzunehmen: ein jährlich stattfindendes inklusives Segelprojekt in der kroatischen Adria, das geflüchtete Kinder aus den ehemaligen Kriegsgebieten Jugoslawiens zusammenbringt, um hautnah Toleranz und Solidarität zu erleben.

Als Lehrer an öffentlichen Schulen Wiens habe ich es vornehmlich dir verdankt, dass ich bis zur Pensionierung durchhielt, weil du mich bei vielen deiner Projekte an Bord geholt und so – deinem Beispiel folgend – Gelegenheit gegeben hast, engagiert und motiviert zu bleiben.

Im Bildungsbereich kenne ich etliche Lehrer und Lehrerinnen, die deine Impulse im Unterricht umsetzen wollten und dir für dein Engagement dankbar waren und sind. Aus diesen Kooperationen ist meine Freundschaft mit dir und anderen entstanden und mit den Jahren gewachsen.

Wir haben uns in unseren Gesprächen oft auch über das düstere Weltgeschehen ausgetauscht. Bei meinem letzten Besuch im Hospiz habe nicht ich dich ermutigt, sondern du mich. Du hast schon recht, hast du gesagt, es sieht finster aus für die Menschheit, doch vergiss nicht, Es gibt mehr Gutes als Böses auf der Welt. Mehr Liebe als Hass. Für mich war es seine letzte an mich gerichtete Botschaft und ich sehe sie als seinen letzten Willen. Nie aufgeben, an das Gute zu glauben. Du warst selbst ein Guter. Ein guter Mensch. Ein Gutmensch: Schimpfwort für jene, die Menschlichkeit und Empathie als Schwäche sehen und die Vielfalt verunglimpfen, eine Auszeichnung für die, die sie als unbezwingbare Kraft anerkennen – und das hast du und du hast sie besessen und hast sie gelebt, diese Kraft, lieber Christian, ohne Wenn und ohne Aber, konsequent, klar und kompromisslos.

Ich vermisse dich. Du fehlst mir. Und das wird so bleiben.

Helmut Hostnig