Sonja Gruber: Dichtungen II

Prosaische Miniaturen und Gedichte

„Dichtungen II ist eine neue, umfangreiche Sammlung poetischer Miniaturen und szenischer Erzählungen. Nach dem Debütband Dichtungen geht das Nachfolgewerk sowohl inhaltlich als auch sprachlich neue Wege.
In dem Band eröffnet sich eine Vielstimmigkeit der Worte, die sich der Alltagsbegrifflichkeit — nicht selten spielerisch — entziehen. Laut und Bedeutung verschwistern sich in Verdichtungen, aber nicht ohne rätselhafte Brüche. Kaum glaubt man zu verstehen, sträubt sich eine widerspenstige Wortfaser und bohrt sich in die Gewusstheit. In den Gedichten schwingt Seele, aber leise und unaufdringlich.“ (Quelle: Edition fabrik.transit)

Mit ihrem ersten Lyrikband „Dichtungen“ war Sonja Gruber auf der Frankfurter Buchmesse 2019 bei literadio zu Gast. Nun ist der zweite Band erschienen, der die Entwicklung ihres Schreibens verdeutlicht und noch stärker mit einzelnen Worten spielt, die ihr situativ begegnen und sich assoziativ im Schreiben widerspiegeln. Teils hart und auch schmerzhaft bringt sie auch ihre gesellschaftlichen Reflexionen auf den Punkt und beschäftigt sich viel mit der Vielschichtigkeit sozialer Beziehungen.

Sonja Gruber im Gespräch mit Daniela Fürst. Dichtungen II ist wie der erste Band Dichtungen in der Edition fabrik.transit erschienen.

Kurt Kotrschal: Sind wir Menschen noch zu retten?

Gefahren und Chancen unserer Natur. Ein Plädoyer für die liberale Demokratie.

„Menschliches Verhalten treibt unsere Biosphäre in ihr heutiges Multitrauma. Doch was sind die evolutionären Grundlagen menschlichen Verhaltens? Und welcher Handlungsspielraum bleibt uns angesichts von Klimakrise und Artensterben? Auf Basis seiner Erkenntnisse zur menschlichen Natur ist sich Kurt Kotrschal sicher: Nur eine liberale Demokratie mit breiter Partizipation, Gleichstellung der Geschlechter und starker Gemeinwohlorientierung ist in der Lage, das Überleben des Menschen und des Planeten zu gewährleisten. Weder Patriarchat noch gewaltsame autoritäre Herrschaftsformen haben genug Lösungspotential, um die zahlreichen, auch radikalen Verhaltensänderungen auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene zu fördern, die heute notwendig sind. Noch haben wir eine Chance – nutzen wir sie!“ (Quelle: Residenz Verlag)

Kurt Kotrschal ist Verhaltensforscher und Autor. Er war 1990 bis 2018 Professor für Verhaltensbiologie an der Uni Wien und leitete die Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie in Grünau. 2010 wurde er als Wissenschaftler des Jahres ausgezeichnet. Im Gespräch mit Daniela Fürst betont er die Bedeutung einer menschengerechten und faktenbasierenden Politik und erklärt einige wesentliche Grundkonstanten der „Conditio Humana“, die es dabei zu berücksichtigen gilt. Vor dem Hintergrund der Coronakrise hat sich für ihn zum einen vieles davon noch deutlicher hervorgetan und bestätigt, aber auch gezeigt, dass eine solche Politik möglich wäre.

Das Buch ist im Residenz Verlag in der Reihe UNRUHE BEWAHREN erschienen.

Karel Hynek Mácha: Mai


Übersetzt und mit Nachwort versehen von Ondřej Cikán, illustriert von Antonín Šilar.

„Es war spät Abend – erster Mai – abends der Mai war Liebeszeit.“ Mit diesen Worten beginnt das Kurzepos über Liebe und Tod des tschechischen Romantikers Karel Hynek Mácha (1810–1836). Ein Räuberhauptmann wird hingerichtet, weil er die Verführung seiner Geliebten gerächt hat. In eindrucksvollen Bildern verabschiedet er sich von der Erde. Das Kurzepos Mai ist nicht nur eines der berührendsten Werke der Romantik, es diente auch wegen seines avantgardistischen Bilderreichtums den tschechischen Surrealisten als Vorbild und stellt bis heute ein Fundament der tschechischen Dichtung dar. (Quelle: Ketos Verlag)

Im Gespräch mit Daniela Fürst erzählt der österreichisch-tschechische Dichter und Übersetzer Ondřej Cikán nicht nur über seinen persönlichen Bezug zum Epos, sondern auch über die unterschiedlichen Rezeptionsebenen, die das Werk über die Jahre erfahren hat. Zudem beschreibt er die Herausforderung, die das Stück mit seinen formalen Eigenheiten an ihn als Übersetzer gestellt hat und seine Intention, den Inhalt besonders präzise zu übertragen.

Das Buch ist im Ketos Verlag erschienen.

Paul Auer: Fallen


Im Leben des Mittzwanzigers Christian passieren seltsame Dinge. Seine  neue Nachbarin hat rote Augen und beherbergt zwei geheimnisvolle Flüchtlinge. Immer öfter träumt er davon, wie die Geschichte Jesu nach der Kreuzigung weitergegangen sein mochte und spinnt sich in eine Sage über den Teufel ein, die seine Familie seit Generationen in Atem hält. Ein ominöses Foto bringt ihn und seinen Freund Stefan dann auf die Spur einer Verschwörung. Hatte Christian sich nicht längst mit seinem unspektakulären melancholischen Alltag arrangiert? Umso verstörender, welch unerbittlichen Sog die Fiktion ausübt, wie sie nach und nach die behagliche Normalität auslöscht. Bald wird ihm klar, dass er seinen ganzen Heldenmut zusammennehmen, die Grenzen seiner Wahrnehmung sprengen und sich seinen schlimmsten Ängsten aussetzen muss. Ist er in dem Spiel das Opfer oder ist er der Täter? Ist er wirklich der, für den er sich hält? (…) Ein märchenhafter Roman über die Wirkmacht von Mythen, Träumen und Traumata, über Identität, Entfremdung und die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Vor allem aber erzählt Fallen von einer großen Freundschaft, einer Liebe, die jede Grenze, selbst die des Todes, überwindet.“ (Quelle: Septime Verlag)

Paul Auer wirft in seinem zweiter Roman nicht wenige Fragen auf: Was wäre, wenn Jesus seinen Tod nur vorgetäuscht hätte und der Teufel nichts lieber als ein beschauliches Leben führen möchte? Was wäre, wenn sich hinter dem Lichtbringer jemand ganz anderes verbirgt und „Shangri La“ in Wahrheit ein verstecktes österreichisches Bergdorf ist? Und was wäre, wenn alles nur in Christians Kopf passieren würde? Im Gespräch mit Daniela Fürst bringt der Autor nicht nur ein bisschen Licht in die Sache, sondern verweist auch auf den real-gesellschaftlichen Hintergrund, vor diesem Christians Erlebnisse noch eine weitere Bedeutung erhalten.

Der Roman ist im Septime Verlag erschienen.

jeder tag ist ein gedicht

Foto: (CC) 2017 BY-NC-SA V4.0 Regina Leibetseder-Löw

Nicht nur der Corona Virus hat seinen Ausgang in China genommen. Auch die Idee hier täglich auf unserer Webseite ein Gedicht hörbar und lesbar zu machen. stammt von dort. Lyrik ist in China sehr beliebt und verbreitet. Die tägliche Online Publikation von Gedichten erfreut die ChinesInnen und bietet gleichzeitig eine Plattform für den Diskurs, der so auch die strenge Zensur überwindet. Heute ist der „Welttag der Poesie“ – dies ist zufällig, aber durchaus passend für den Start unserer Aktion.

Christian Berger spricht mit Martin Winter, der als Übersetzer und Schriftsteller arbeitet, und viele Kontakte aus seiner Zeit, in der er in China lebte immer noch pflegt, über die aktuelle Situation in China, die Auswirkungen der strengen Ausgangssperre und die Bedeutung der Lyrik in China.

Ein Gedicht aus aktuellem Anlass – direkt aus China von Jun Er:

《冠状》

君儿

病毒一国一国地过筛子
检验公信力和文明程度
检验公民素质和责任心
检验专制与民主
检验自由与爱
这个注定将被消灭的毒
应该也属于生物

2020.3.10

Jun Er
CORONA
The virus sifts country by country,
tests public trust & civilization,
tests civil spirit & responsibility,
tests dictatorship & democracy,
tests freedom and love.
This poison poised for destruction
should also belong to life.March 10, 2020
Translated by MW, March 2020
 
Jun Er
CORONA
Das Virus siebt Land für Land,
prüft öffentliches Vertrauen, den Grad an Zivilisation,
das allgemeine Niveau, den Sinn für Verantwortung.
Es prüft Diktatur und Demokratie,
prüft Freiheit und Liebe.
Dieses Gift wird ausgelöscht werden
und sollte auch zum Leben gehören.
10. März 2020
Übersetzt von MW im März 2020
 

Umkreisung – Lucas Cejpek im Studio zu Gast

Eine rätselhafte Frau als Ausgang unterschiedlicher Suchbewegungen: Iris hat viele Gestalten, ist Mensch, Pflanze, Teil des Auges oder Blende eines Objetivs. Je kleiner die Öffnung, desto größer die Schärfentiefe der ungemein detailreichen Darstellung. Der Autor Lucas Cejpek im Studiogespräch über seinen jüngst bei Sonderzahl erschienen Band ‚Umkreisung‘.