FBM20- Tag 3 – Freitag

Freitag 16.10.2020 –  unser Webradio spielt brav. Heute im Messeprogramm: (Zum Nachhören einfach auf den Link klicken):

13:00 Herbert Dutzler: Der letze Jodler
13:30 Luis Stabauer: Brüchige Zeiten
14:00 Gerhard Ruiss: Blech
14:30 Petra Piuk: Wenn Rot kommt
15:00 Herbert Christian Stöger: VON HIER bis bald
15:30 Simon Konttas: Arme Leute
16:00 Tanja Paar: Die zitternde Welt
16:30 Kaśka Bryla: Roter Affe

Wer mehr Lesen will – hier klicken – da gibt es ALLE bereits fertigen Beiträge samt Beschreibung.

Peter Veran: Plädoyer eines Märtyrers

Als Historiker und Jurist hat Werner Anzenberger etliche Publikationen zum Austrofaschismus vorgelegt. Unter dem Pseudonym Peter Veran hat der die Thematik nun literarisch aufgearbeitet: 86 Jahre nach seinem Tod wird Engelbert Dollfuß exhumiert und vor Gericht gestellt. In seiner Verteidigungsrede schildert er detailreich, wie es ihm und seinen Verbündeten gelang, die Erste Republik zur Diktatur umzubauen. Auch manche Parallele zu unserer Gegenwart wird gezogen, denn einige der heutigen Entwicklungen sind durchaus nach seinem Geschmack. Und vorgebliche Sachzwänge wurden schon immer gern zur Begründung einschneidender Maßnahmen herangezogen.

Website Werner Anzenberger
Website Promedia Verlag Plädoyer eines Märtyrers
Zur gekürzten Radioversion dieses Beitrags

Ute Cohen: Poor Dogs

„André, ein sephardischer Jude aus Frankreich, und Eva, eine Katholikin aus Bayern, lernen sich in einer amerikanischen Unternehmensberatung kennen. In einer Welt scheinbar grenzenloser Möglichkeiten verlieren beide den Boden unter den Füßen. André managt Leben und Liebe nach Business-Modellen. Eva ist zerrissen zwischen Selbstbestimmung und Liebe. Ficken oder gefickt werden, das ist hier die Frage! In den Neunzigerjahren erlebte der Glaube ans große Geld einen vorläufigen Höhepunkt. Jegliche Moral wurde außer Kraft gesetzt. In der Finanzkrise 2008 folgte der große Absturz. Wie ticken die Menschen, die mit dem großen Geld jonglieren?
Poor Dogs ist ein schwarzer, eleganter, überraschend sinnlicher Psychothriller aus der Welt der Unternehmensberatung, vollgesogen mit Realität. Mondän, cool, weltläufig, lakonisch und böse. (…) Zitat: »Sex war auch nichts anderes als Körperpflege mit einem mal mehr, mal weniger brauchbaren Mittel.«“ (Quelle: Septime Verlag)

Ute Cohen zieht die Parallelen von 2008 zur aktuellen Situation, um die Macht, Gewalt und Willkür aufzuzeigen, mit der ein paar Wenige das Schicksal und die Existenz Vieler aufs Spiel setzen, um einer Illusion von Gewinnmaximierung und wirtschaftlichem Erfolg möglichst nahe zu kommen. Sie verweist aber auch auf die psychologische Ebene und beschreibt in Person von André das Phänomen des perversen Narzissten, das – ExpertInnen zur Folge – in den letzten Jahren als dominantes Persönlichkeitsmerkmal immer häufiger in unserer Gesellschaft zu finden ist.

Im Gespräch mit Daniela Fürst betont die Autorin, dass ihre Bücher nicht nur Unterhaltung sein sollen, vielmehr möchte sie den Scheinwerfer auf jene dunklen Stellen in unserer Gesellschaft richten, über die nicht gerne gesprochen wird und die dennoch existieren. Die literarische Auseinandersetzung ermöglicht ihr die Dinge zu beschreiben und zu zeigen wie sie zustande kommen, immer mit dem Wunsch, die Menschen dadurch in ihrer Fähigkeit zu unterstützen selbst zu erkennen und selbst zu handeln. Oder wie sie selber sagt: „Ich weiß, das klingt ein bisschen naiv und idealistisch, aber ich kann nicht anders!“

Ute Cohens zweiter Roman „Poor Dogs“ ist im Septime Verlag erschienen.

Simone Schönett: Das Pi der Piratin

„Können Frauen in der männlich gefärbten Sprachwelt ihre eigene, die weibliche Begierde zum Ausdruck bringen? Die Ich-Erzählerin in Simone Schönetts rasanter Prosa begibt sich auf die Suche nach einer weiblichen Sprache der Lust. Sie will ihrer Libido Ausdruck verleihen, forscht nach den ihr gerechten Worten, merkt aber bald, dass es nicht genügt, nur aus dem Fundus der Männer Ausdrücke für das zu nehmen, worum es eigentlich geht. Etwas Neues muss entstehen. Denn solange das Wort einer Frau nicht gilt, bleibt die mögliche Eintracht zwischen den Geschlechtern immer nur Utopie … Eine lustvolle Revolution der weiblichen Sprache, die uns über die Grenzen der gängigen Ausdrucksweise hinausführt.“ (Quelle: Edition Atelier)

Simone Schönett erzählt im Gespräch mit Daniela Fürst über ihre persönliche Intention diesen Text zu verfassen, wie sie die durch die Sprache abgebildete Realität erlebt und auch von den Schwierigkeiten, sich selbst als Autorin ein Stück weit vom Text abzugrenzen. Zwar lässt sich der Text nicht klar einem Genre zuordnen oder klassifizieren, aber er nimmt uns mit auf eine außergewöhnliche sprachliche Reise, auf einen humorvollen Spaziergang durch die verschiedensten Gedankenräume der Autorin rund um die weibliche Lust.

Andreas Unterweger: Poèmes

Andreas Unterweger ist zwar den meisten als Prosaautor bekannt (bei literadio etwa mit Grungy Nuts auf der Frankfurter Buchmesse 2018), jedoch hat ihn die Lyrik von Beginn seines Schreibens an nie losgelassen.

Auch auf der Leipziger Buchmesse 2020 wäre er wieder bei literadio zu Gast gewesen. Daniela Fürst erreichte in dann doch in Leibnitz, um das Gespräch zu seinem 2019 im französischen Verlag La Traductière erschienenen Gedichtband Poèmes nachzuholen.

Das Büchlein und die dazugehörige Einladung nach Paris zum Lyrikfestival „Printemps des poètes“verdankt er – so Andreas im Gespräch – seiner virtuellen Präsenz auf der internationalen Lyrikplattform Versopolis, die vom Verlag Beletrina in Ljubljana organisiert wird und zu der er vom Unabhängigen Literaturhaus Niederösterreich eingeladen wurde. Fast zeitgleich ist auch die französische Übersetzung seines 2015 im Literaturverlag Droschl erschienenen Werk Das gelbe Buch mit dem Titel Le livre jaune bei der Editions Lanskine veröffentlicht worden.

Im Gespräch erzählt Andreas Unterweger über den langen Weg vom „ersten wirklich wahren Satz“ bis hin zu seinen ersten Veröffentlichungen, wann ihm die Prosa dazwischengekommen ist und was es mit seinen Vorbildern Charles Bukowski und Arthur Rambeau auf sich hat.

Poèmes, wie auch seine anderen Bücher sind auf jeden Fall bei der Bücherstube Schimunek in Graz und bei der Büchertheke Draxler in Leibnitz bestellbar.

Cornelia Travnicek: Feenstaub

Cover Picus Verlag

Die Schicksalsgemeinschaft dreier junger Taschendiebe beginnt sich zu verändern, als ein Neuling dazustößt. Ein Roman über vergessene Kindheiten und brutale Ausbeutung dreier Jugendlicher, die um ihre Zukunft kämpfen.

Der Roman erschien 2020 im Picus Verlag und sollte bei der Leipziger Buchmesse 2020 präsentiert werden. Aufgrund der Corona Ausgangsbeschränkungen gab es eine online Erstpräsentation in der Buchhandlung Seeseiten. (Link zum Video).

Die Autorin führte für literadio ein Gespräch mit Christian Berger: