Karel Hynek Mácha: Mai


Übersetzt und mit Nachwort versehen von Ondřej Cikán, illustriert von Antonín Šilar.

“Es war spät Abend – erster Mai – abends der Mai war Liebeszeit.” Mit diesen Worten beginnt das Kurzepos über Liebe und Tod des tschechischen Romantikers Karel Hynek Mácha (1810–1836). Ein Räuberhauptmann wird hingerichtet, weil er die Verführung seiner Geliebten gerächt hat. In eindrucksvollen Bildern verabschiedet er sich von der Erde. Das Kurzepos Mai ist nicht nur eines der berührendsten Werke der Romantik, es diente auch wegen seines avantgardistischen Bilderreichtums den tschechischen Surrealisten als Vorbild und stellt bis heute ein Fundament der tschechischen Dichtung dar. (Quelle: Ketos Verlag)

Im Gespräch mit Daniela Fürst erzählt der österreichisch-tschechische Dichter und Übersetzer Ondřej Cikán nicht nur über seinen persönlichen Bezug zum Epos, sondern auch über die unterschiedlichen Rezeptionsebenen, die das Werk über die Jahre erfahren hat. Zudem beschreibt er die Herausforderung, die das Stück mit seinen formalen Eigenheiten an ihn als Übersetzer gestellt hat und seine Intention, den Inhalt besonders präzise zu übertragen.

Das Buch ist im Ketos Verlag erschienen.

Paul Auer: Fallen


Im Leben des Mittzwanzigers Christian passieren seltsame Dinge. Seine  neue Nachbarin hat rote Augen und beherbergt zwei geheimnisvolle Flüchtlinge. Immer öfter träumt er davon, wie die Geschichte Jesu nach der Kreuzigung weitergegangen sein mochte und spinnt sich in eine Sage über den Teufel ein, die seine Familie seit Generationen in Atem hält. Ein ominöses Foto bringt ihn und seinen Freund Stefan dann auf die Spur einer Verschwörung. Hatte Christian sich nicht längst mit seinem unspektakulären melancholischen Alltag arrangiert? Umso verstörender, welch unerbittlichen Sog die Fiktion ausübt, wie sie nach und nach die behagliche Normalität auslöscht. Bald wird ihm klar, dass er seinen ganzen Heldenmut zusammennehmen, die Grenzen seiner Wahrnehmung sprengen und sich seinen schlimmsten Ängsten aussetzen muss. Ist er in dem Spiel das Opfer oder ist er der Täter? Ist er wirklich der, für den er sich hält? (…) Ein märchenhafter Roman über die Wirkmacht von Mythen, Träumen und Traumata, über Identität, Entfremdung und die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Vor allem aber erzählt Fallen von einer großen Freundschaft, einer Liebe, die jede Grenze, selbst die des Todes, überwindet.“ (Quelle: Septime Verlag)

Paul Auer wirft in seinem zweiter Roman nicht wenige Fragen auf: Was wäre, wenn Jesus seinen Tod nur vorgetäuscht hätte und der Teufel nichts lieber als ein beschauliches Leben führen möchte? Was wäre, wenn sich hinter dem Lichtbringer jemand ganz anderes verbirgt und „Shangri La“ in Wahrheit ein verstecktes österreichisches Bergdorf ist? Und was wäre, wenn alles nur in Christians Kopf passieren würde? Im Gespräch mit Daniela Fürst bringt der Autor nicht nur ein bisschen Licht in die Sache, sondern verweist auch auf den real-gesellschaftlichen Hintergrund, vor diesem Christians Erlebnisse noch eine weitere Bedeutung erhalten.

Der Roman ist im Septime Verlag erschienen.

jeder tag ist ein gedicht

Foto: (CC) 2017 BY-NC-SA V4.0 Regina Leibetseder-Löw

Nicht nur der Corona Virus hat seinen Ausgang in China genommen. Auch die Idee hier täglich auf unserer Webseite ein Gedicht hörbar und lesbar zu machen. stammt von dort. Lyrik ist in China sehr beliebt und verbreitet. Die tägliche Online Publikation von Gedichten erfreut die ChinesInnen und bietet gleichzeitig eine Plattform für den Diskurs, der so auch die strenge Zensur überwindet. Heute ist der “Welttag der Poesie” – dies ist zufällig, aber durchaus passend für den Start unserer Aktion.

Christian Berger spricht mit Martin Winter, der als Übersetzer und Schriftsteller arbeitet, und viele Kontakte aus seiner Zeit, in der er in China lebte immer noch pflegt, über die aktuelle Situation in China, die Auswirkungen der strengen Ausgangssperre und die Bedeutung der Lyrik in China.

Ein Gedicht aus aktuellem Anlass – direkt aus China von Jun Er:

《冠状》

君儿

病毒一国一国地过筛子
检验公信力和文明程度
检验公民素质和责任心
检验专制与民主
检验自由与爱
这个注定将被消灭的毒
应该也属于生物

2020.3.10

Jun Er
CORONA
The virus sifts country by country,
tests public trust & civilization,
tests civil spirit & responsibility,
tests dictatorship & democracy,
tests freedom and love.
This poison poised for destruction
should also belong to life.March 10, 2020
Translated by MW, March 2020
 
Jun Er
CORONA
Das Virus siebt Land für Land,
prüft öffentliches Vertrauen, den Grad an Zivilisation,
das allgemeine Niveau, den Sinn für Verantwortung.
Es prüft Diktatur und Demokratie,
prüft Freiheit und Liebe.
Dieses Gift wird ausgelöscht werden
und sollte auch zum Leben gehören.
10. März 2020
Übersetzt von MW im März 2020
 

Umkreisung – Lucas Cejpek im Studio zu Gast

Eine rätselhafte Frau als Ausgang unterschiedlicher Suchbewegungen: Iris hat viele Gestalten, ist Mensch, Pflanze, Teil des Auges oder Blende eines Objetivs. Je kleiner die Öffnung, desto größer die Schärfentiefe der ungemein detailreichen Darstellung. Der Autor Lucas Cejpek im Studiogespräch über seinen jüngst bei Sonderzahl erschienen Band ‚Umkreisung‘.

Virale Literatur

Im Gespräch mit Gerhard Ruiss (Autor und Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren) und Hannes Hofbauer (Verlagsleiter promedia) erörtert Christian Berger (literadio) die Folgen der Absage der Leipziger Buchmesse 2020, die in dieser Woche stattfinden hätte sollen. Die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen der staatlichen Aufrufe zur Asozialität und Abschottung gehen vermutlich weit über die Literaturszene und ökonomische Verluste hinaus.

Anstelle der Leipziger Buchmesse

Literadio kann natürlich die Leipziger Buchmesse nicht ersetzen. Aber wir versuchen doch einige der Gespräche mit AutorInnen und VerlegerInnen aufzuzeichnen und werden diese hier auf der Webseite und in unserem Webradio sowie On Air bei unseren PartnerInnen zu publizieren. Die Literatur wird bei uns hörbar. Virenfrei und barrierefrei.

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