jeder tag ist ein gedicht

Foto: (CC) 2017 BY-NC-SA V4.0 Regina Leibetseder-Löw

Nicht nur der Corona Virus hat seinen Ausgang in China genommen. Auch die Idee hier täglich auf unserer Webseite ein Gedicht hörbar und lesbar zu machen. stammt von dort. Lyrik ist in China sehr beliebt und verbreitet. Die tägliche Online Publikation von Gedichten erfreut die ChinesInnen und bietet gleichzeitig eine Plattform für den Diskurs, der so auch die strenge Zensur überwindet. Heute ist der “Welttag der Poesie” – dies ist zufällig, aber durchaus passend für den Start unserer Aktion.

Christian Berger spricht mit Martin Winter, der als Übersetzer und Schriftsteller arbeitet, und viele Kontakte aus seiner Zeit, in der er in China lebte immer noch pflegt, über die aktuelle Situation in China, die Auswirkungen der strengen Ausgangssperre und die Bedeutung der Lyrik in China.

Ein Gedicht aus aktuellem Anlass – direkt aus China von Jun Er:

《冠状》

君儿

病毒一国一国地过筛子
检验公信力和文明程度
检验公民素质和责任心
检验专制与民主
检验自由与爱
这个注定将被消灭的毒
应该也属于生物

2020.3.10

Jun Er
CORONA
The virus sifts country by country,
tests public trust & civilization,
tests civil spirit & responsibility,
tests dictatorship & democracy,
tests freedom and love.
This poison poised for destruction
should also belong to life.March 10, 2020
Translated by MW, March 2020
 
Jun Er
CORONA
Das Virus siebt Land für Land,
prüft öffentliches Vertrauen, den Grad an Zivilisation,
das allgemeine Niveau, den Sinn für Verantwortung.
Es prüft Diktatur und Demokratie,
prüft Freiheit und Liebe.
Dieses Gift wird ausgelöscht werden
und sollte auch zum Leben gehören.
10. März 2020
Übersetzt von MW im März 2020
 

Umkreisung – Lucas Cejpek im Studio zu Gast

Eine rätselhafte Frau als Ausgang unterschiedlicher Suchbewegungen: Iris hat viele Gestalten, ist Mensch, Pflanze, Teil des Auges oder Blende eines Objetivs. Je kleiner die Öffnung, desto größer die Schärfentiefe der ungemein detailreichen Darstellung. Der Autor Lucas Cejpek im Studiogespräch über seinen jüngst bei Sonderzahl erschienen Band ‚Umkreisung‘.

Virale Literatur

Im Gespräch mit Gerhard Ruiss (Autor und Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren) und Hannes Hofbauer (Verlagsleiter promedia) erörtert Christian Berger (literadio) die Folgen der Absage der Leipziger Buchmesse 2020, die in dieser Woche stattfinden hätte sollen. Die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen der staatlichen Aufrufe zur Asozialität und Abschottung gehen vermutlich weit über die Literaturszene und ökonomische Verluste hinaus.

Anstelle der Leipziger Buchmesse

Literadio kann natürlich die Leipziger Buchmesse nicht ersetzen. Aber wir versuchen doch einige der Gespräche mit AutorInnen und VerlegerInnen aufzuzeichnen und werden diese hier auf der Webseite und in unserem Webradio sowie On Air bei unseren PartnerInnen zu publizieren. Die Literatur wird bei uns hörbar. Virenfrei und barrierefrei.

Nutzen Sie unser Hörarchiv.

Stefan Soder: Die Tour

“Ein Lehrer, der die Schule schwänzt, um sich intimen Obsessionen hinzugeben. Ein erfolgreicher, mit sich hadernder Berater in der internationalen Finanzbranche im privaten Gewissenskonflikt. Mithilfe von dessen Ehefrau überredet Bernd seinen alten Freund Franz zu einer gemeinsamen Skitour. In ihrer Jugend unzertrennlich haben die beiden seit vielen Jahren nichts mehr zu zweit unternommen. Während sie den Berg besteigen, tauchen sie in ihre Vergangenheit ein, die sie verbindet und zugleich unausgesprochen zwischen ihnen steht. Die Perspektive wechselt hin und her wie die Serpentinen, über die sie den Berg hinauf spuren, wie die Schwünge, die sie bei der Abfahrt in den Schnee setzen. Ein Hin und Her, wie auch die Gedanken der beiden changieren, zwischen Offenheit und Rollenspiel, Verklärung und Groll, Verständnis und Abscheu, Vertrauen und Distanz, endgültigem Bruch und neuer Hoffnung.” (Quelle: Braumüller Verlag)
In seinem dritten Roman erzählt Stefan Soder über Heimat und Entwurzelung, über Freundschaft, ihre Quintessenz und ihr mögliches Ende. Aber auch über die Auswüchse unserer Leistungsgesellschaft, sei es in der Enge der dörflichen Struktur oder in der Weite der globalisierten Welt.

Der Autor im Gespräch mit Daniela Fürst. Das Buch ist im Braumüller Verlag erschienen.

Unterhaltung mit Haltung – Andreas Nastl

Andreas Nastl -Foto: LaKult

Haben Astronauten einen Schutzpatron? Warum sind Straßen barrierefrei, Wohnhäuser aber nicht? Warum sind Zukunftsforscher nicht allesamt Lottomillionäre? Wann kommt die Bibel für Veganer? Über all das und noch vieles mehr macht sich der niederösterreichische Autor Andreas Nastl in seinem Debüt-Programm „Vorsicht Fräskante!“ so seine Gedanken. Christian Berger unterhielt sich mit ihm über die Entwicklung des Programmes, Haltungsübungen und das Spezielle am bühnentauglichen Philiosophieren über die Welt.