Solidarität mit den Inhaftierten in  der Türkei

Wir bitten unsere Kolleginnen und Kollegen um die Unterstützung der folgenden

I n i t i a t i v e

Freiheit für Asli Erdoğan und ihre Kolleginnen und Kollegen – Wiederherstellung der Grund- und Freiheitsrechte in der Türkei

Erklärung europäischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Schriftstellerverbände, Medien, Medien-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter und Kunst- und Kultureinrichtungen

Asli Erdoğan sitzt seit dem 16.8.2016 im Gefängnis. Verhaftet wurde sie wegen „Volksverhetzung“ und „Propaganda für eine illegale Organisation“. Die Wahrheit ist, sie ist eine der führenden Stimmen gegen die autoritären Entwicklungen in der Türkei. Ihre Verhaftung und Haft haben nur einen Grund, sie soll zum Verstummen gebracht werden.

Asli Erdoğan ist eine Autorin von internationalem Format, sie ist eines der Aushängeschilder der Türkei. Mit ihrer Anklage wird die Freiheit der Kunst, der Meinung und der Kritik vor Gericht gestellt. Sie teilt dieses Schicksal mit zahlreichen anderen ihrer Kolleginnen und Kollegen. Was passiert mit Şahin Alpay, Hilmi Yavuz, Necmiye Alpay und all den anderen und wie geht es ihnen?

Wir werden nicht müde werden, auf ihr Schicksal hinzuweisen. Wir werden nicht müde werden, Asli Erdoğan und ihre Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, wo und wie immer wir es können. Wir werden nicht müde werden, auf das an ihnen begangene Unrecht hinzuweisen. Mit jedem weiteren Tag, jeder weiteren Stunde Gefängnis für sie treten die dafür Verantwortlichen die Grund- und Menschenrechte weiter mit Füßen. Mit rechtsstaatlichen Mitteln hat das Vorgehen der türkischen Behörden nichts zu tun, dafür umso mehr mit Politjustiz und mit Schauprozessen, die Illegalität suggerieren sollen und Totalitarität demonstrieren.

Wir verlangen die umgehende Freilassung von Asli Erdoğan und ihrer Kolleginnen und Kollegen. Wir verlangen die umgehende Wiederherstellung der Grund- und Freiheitsrechte in der Türkei, allem voran der Kunst-, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit.


IG Autorinnen Autoren, Wien

Gerhard Ruiss …

PEN Club Österreich, Wien

Helmuth A. Niederle …

Grazer Autorinnen Autorenversammlung – GAV, Wien

Petra Ganglbauer, Magdalena Knapp-Menzel, Erika Kronabitter, Doron Rabinovici …

IG Übersetzerinnen Übersetzer, Wien

Werner Richter, Brigitte Rapp …

BOeS – Berufsverband Österreichischer SchreibpädagogInnen, Wien …

Literadio – Literatur der Gegenwart zum Hören, Wien

Christian Berger …


Unterstützungserklärungen (Verbände, Einrichtungen und Personen) bitte an: gr@literaturhaus.at (Gerhard Ruiss)

Die Erklärung wird mit allen ihren Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern bei der Frankfurter Buchmesse präsentiert werden

Also noch einmal: Position zeigen

“Es ist uns ned wurscht!“, gilt noch immer. Da der VGH die Bundespräsidentenwahl aufgehoben hat, ist es erforderlich nochmals Position zu beziehen (Leseempfehlung: vice.com). Inhaltlich hat sich nicht viel verändert.

Daher noch einmal der Aufruf Stellung zu beziehen – es soll niemand nachher behaupten, nichts gewusst zu haben.

Unterzeichnen und verbreiten Sie unsere Erklärung zur Bundespräsidentenwahl 2016

Gerhard Ruiss: Wir sagen nichts

E r k l ä r u n g

Wir sagen nichts. Zu niemandem. Gegen wen. Über irgendetwas. Wir melden uns nicht zu Wort. In keiner Frage. Wir sprechen uns für und gegen nichts und niemand aus.

Sagen Sie nichts. Lassen Sie sich nicht hinreißen. Aus keinem Grund. Wer eine Ausnahme macht, macht jede. Sie versprechen nichts, Sie verschweigen nichts, Sie schweigen überall zu allem und für immer. Versinken Sie in Schweigen, verharren Sie darin. Soll etwas zur Sprache gebracht werden, nicht von Ihnen, soll wer etwas sagen, nicht Sie.

Es kann Sie nichts sprachlos machen, nichts wird ihnen die Sprache verschlagen, niemand wird Sie zum Verstummen bringen, Sie sind es schon. Niemand wird Ihnen einen Wunsch abschlagen, Sie äußern keinen. Lassen Sie sich nicht festlegen, dass etwas von Ihnen kommt, man hört von Ihnen nichts, Sie haben nie etwas gesagt.

Wir äußern uns nicht. Wir bringen nichts zur Sprache. Wir geben keinen Kommentar ab. Wir garantieren Stillschweigen, absolute Verschwiegenheit.

Sagen Sie mit uns von jetzt an nichts: Nie wieder!

Erstunterzeichner/innen: Gerhard Ruiss …

Lore Heuermann: Wer schweigt wird mitschuldig

Wer schweigt
wird mitschuldig
Vieles was damals passierte, fand ich interessant bis komisch, weil
ich zu jung war.
Viel später hörte ich dann Ungeheuerliches, ich habe auch viel
verstanden, begriffen habe ich es bis heute nicht.

Und ich meine, dass das für manche so willkommene Vergessen in
diesem Fall zu dieser Zeit ein äußerst bequemes,verantwortungsloses
Vergessen ist. Und ich denke, dass es die moralische Pflicht jedes
Einzelnen ist, auf den Beginn und die Auswirkungen dieser Zeit
hinzuweisen und aufmerksam zu machen, immer wieder.

Weil es heute, hier und überall, wieder möglich wäre, dass Unrecht
geschieht , da die Trägen und Bequemen auch heute wieder willenlos
und unkritisch laufen würden, wenn einer kommt und ihnen Entschei-
dungen und Verantwortungen abzunehmen verspricht.
Und wir machen uns mitschuldig, wenn wir dies wissen und das
Schweigen darüber akzeptieren.

Lore Heuermann

Geschrieben 1975 für den Katalog „Künstler sehen das dritte Reich“
Informations- und Pressedienst der Österreichischen
Widerstandsbewegung Nr. 4 / 75 ( Ö.W.I.P.)

Webseite Lore Heuermann