Ute Cohen: Poor Dogs

„André, ein sephardischer Jude aus Frankreich, und Eva, eine Katholikin aus Bayern, lernen sich in einer amerikanischen Unternehmensberatung kennen. In einer Welt scheinbar grenzenloser Möglichkeiten verlieren beide den Boden unter den Füßen. André managt Leben und Liebe nach Business-Modellen. Eva ist zerrissen zwischen Selbstbestimmung und Liebe. Ficken oder gefickt werden, das ist hier die Frage! In den Neunzigerjahren erlebte der Glaube ans große Geld einen vorläufigen Höhepunkt. Jegliche Moral wurde außer Kraft gesetzt. In der Finanzkrise 2008 folgte der große Absturz. Wie ticken die Menschen, die mit dem großen Geld jonglieren?
Poor Dogs ist ein schwarzer, eleganter, überraschend sinnlicher Psychothriller aus der Welt der Unternehmensberatung, vollgesogen mit Realität. Mondän, cool, weltläufig, lakonisch und böse. (…) Zitat: »Sex war auch nichts anderes als Körperpflege mit einem mal mehr, mal weniger brauchbaren Mittel.«“ (Quelle: Septime Verlag)

Ute Cohen zieht die Parallelen von 2008 zur aktuellen Situation, um die Macht, Gewalt und Willkür aufzuzeigen, mit der ein paar Wenige das Schicksal und die Existenz Vieler aufs Spiel setzen, um einer Illusion von Gewinnmaximierung und wirtschaftlichem Erfolg möglichst nahe zu kommen. Sie verweist aber auch auf die psychologische Ebene und beschreibt in Person von André das Phänomen des perversen Narzissten, das – ExpertInnen zur Folge – in den letzten Jahren als dominantes Persönlichkeitsmerkmal immer häufiger in unserer Gesellschaft zu finden ist.

Im Gespräch mit Daniela Fürst betont die Autorin, dass ihre Bücher nicht nur Unterhaltung sein sollen, vielmehr möchte sie den Scheinwerfer auf jene dunklen Stellen in unserer Gesellschaft richten, über die nicht gerne gesprochen wird und die dennoch existieren. Die literarische Auseinandersetzung ermöglicht ihr die Dinge zu beschreiben und zu zeigen wie sie zustande kommen, immer mit dem Wunsch, die Menschen dadurch in ihrer Fähigkeit zu unterstützen selbst zu erkennen und selbst zu handeln. Oder wie sie selber sagt: „Ich weiß, das klingt ein bisschen naiv und idealistisch, aber ich kann nicht anders!“

Ute Cohens zweiter Roman „Poor Dogs“ ist im Septime Verlag erschienen.

Karel Hynek Mácha: Mai


Übersetzt und mit Nachwort versehen von Ondřej Cikán, illustriert von Antonín Šilar.

“Es war spät Abend – erster Mai – abends der Mai war Liebeszeit.” Mit diesen Worten beginnt das Kurzepos über Liebe und Tod des tschechischen Romantikers Karel Hynek Mácha (1810–1836). Ein Räuberhauptmann wird hingerichtet, weil er die Verführung seiner Geliebten gerächt hat. In eindrucksvollen Bildern verabschiedet er sich von der Erde. Das Kurzepos Mai ist nicht nur eines der berührendsten Werke der Romantik, es diente auch wegen seines avantgardistischen Bilderreichtums den tschechischen Surrealisten als Vorbild und stellt bis heute ein Fundament der tschechischen Dichtung dar. (Quelle: Ketos Verlag)

Im Gespräch mit Daniela Fürst erzählt der österreichisch-tschechische Dichter und Übersetzer Ondřej Cikán nicht nur über seinen persönlichen Bezug zum Epos, sondern auch über die unterschiedlichen Rezeptionsebenen, die das Werk über die Jahre erfahren hat. Zudem beschreibt er die Herausforderung, die das Stück mit seinen formalen Eigenheiten an ihn als Übersetzer gestellt hat und seine Intention, den Inhalt besonders präzise zu übertragen.

Das Buch ist im Ketos Verlag erschienen.

Paul Auer: Fallen


Im Leben des Mittzwanzigers Christian passieren seltsame Dinge. Seine  neue Nachbarin hat rote Augen und beherbergt zwei geheimnisvolle Flüchtlinge. Immer öfter träumt er davon, wie die Geschichte Jesu nach der Kreuzigung weitergegangen sein mochte und spinnt sich in eine Sage über den Teufel ein, die seine Familie seit Generationen in Atem hält. Ein ominöses Foto bringt ihn und seinen Freund Stefan dann auf die Spur einer Verschwörung. Hatte Christian sich nicht längst mit seinem unspektakulären melancholischen Alltag arrangiert? Umso verstörender, welch unerbittlichen Sog die Fiktion ausübt, wie sie nach und nach die behagliche Normalität auslöscht. Bald wird ihm klar, dass er seinen ganzen Heldenmut zusammennehmen, die Grenzen seiner Wahrnehmung sprengen und sich seinen schlimmsten Ängsten aussetzen muss. Ist er in dem Spiel das Opfer oder ist er der Täter? Ist er wirklich der, für den er sich hält? (…) Ein märchenhafter Roman über die Wirkmacht von Mythen, Träumen und Traumata, über Identität, Entfremdung und die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Vor allem aber erzählt Fallen von einer großen Freundschaft, einer Liebe, die jede Grenze, selbst die des Todes, überwindet.“ (Quelle: Septime Verlag)

Paul Auer wirft in seinem zweiter Roman nicht wenige Fragen auf: Was wäre, wenn Jesus seinen Tod nur vorgetäuscht hätte und der Teufel nichts lieber als ein beschauliches Leben führen möchte? Was wäre, wenn sich hinter dem Lichtbringer jemand ganz anderes verbirgt und „Shangri La“ in Wahrheit ein verstecktes österreichisches Bergdorf ist? Und was wäre, wenn alles nur in Christians Kopf passieren würde? Im Gespräch mit Daniela Fürst bringt der Autor nicht nur ein bisschen Licht in die Sache, sondern verweist auch auf den real-gesellschaftlichen Hintergrund, vor diesem Christians Erlebnisse noch eine weitere Bedeutung erhalten.

Der Roman ist im Septime Verlag erschienen.

Simone Schönett: Das Pi der Piratin

„Können Frauen in der männlich gefärbten Sprachwelt ihre eigene, die weibliche Begierde zum Ausdruck bringen? Die Ich-Erzählerin in Simone Schönetts rasanter Prosa begibt sich auf die Suche nach einer weiblichen Sprache der Lust. Sie will ihrer Libido Ausdruck verleihen, forscht nach den ihr gerechten Worten, merkt aber bald, dass es nicht genügt, nur aus dem Fundus der Männer Ausdrücke für das zu nehmen, worum es eigentlich geht. Etwas Neues muss entstehen. Denn solange das Wort einer Frau nicht gilt, bleibt die mögliche Eintracht zwischen den Geschlechtern immer nur Utopie … Eine lustvolle Revolution der weiblichen Sprache, die uns über die Grenzen der gängigen Ausdrucksweise hinausführt.“ (Quelle: Edition Atelier)

Simone Schönett erzählt im Gespräch mit Daniela Fürst über ihre persönliche Intention diesen Text zu verfassen, wie sie die durch die Sprache abgebildete Realität erlebt und auch von den Schwierigkeiten, sich selbst als Autorin ein Stück weit vom Text abzugrenzen. Zwar lässt sich der Text nicht klar einem Genre zuordnen oder klassifizieren, aber er nimmt uns mit auf eine außergewöhnliche sprachliche Reise, auf einen humorvollen Spaziergang durch die verschiedensten Gedankenräume der Autorin rund um die weibliche Lust.

Stefan Soder: Die Tour

“Ein Lehrer, der die Schule schwänzt, um sich intimen Obsessionen hinzugeben. Ein erfolgreicher, mit sich hadernder Berater in der internationalen Finanzbranche im privaten Gewissenskonflikt. Mithilfe von dessen Ehefrau überredet Bernd seinen alten Freund Franz zu einer gemeinsamen Skitour. In ihrer Jugend unzertrennlich haben die beiden seit vielen Jahren nichts mehr zu zweit unternommen. Während sie den Berg besteigen, tauchen sie in ihre Vergangenheit ein, die sie verbindet und zugleich unausgesprochen zwischen ihnen steht. Die Perspektive wechselt hin und her wie die Serpentinen, über die sie den Berg hinauf spuren, wie die Schwünge, die sie bei der Abfahrt in den Schnee setzen. Ein Hin und Her, wie auch die Gedanken der beiden changieren, zwischen Offenheit und Rollenspiel, Verklärung und Groll, Verständnis und Abscheu, Vertrauen und Distanz, endgültigem Bruch und neuer Hoffnung.” (Quelle: Braumüller Verlag)
In seinem dritten Roman erzählt Stefan Soder über Heimat und Entwurzelung, über Freundschaft, ihre Quintessenz und ihr mögliches Ende. Aber auch über die Auswüchse unserer Leistungsgesellschaft, sei es in der Enge der dörflichen Struktur oder in der Weite der globalisierten Welt.

Der Autor im Gespräch mit Daniela Fürst. Das Buch ist im Braumüller Verlag erschienen.

Isabella Breier: Mir kommt die Hand der Stunde auf meiner Brust so ungelegen, dass ich im Lauf der Dinge beinah mein Herz verwechsle.

Ein Lyrikband in 12 Kapitel mit Illustrationen von Hannah Medea Breier, erschienen in der Edition fabrik.transit.

Isabella Breier im Gespräch mit Daniela Fürst über die Entstehungsgeschichte ihres 2019 erschienenen Lyrikbands, der unterschiedliche Gedichte aus mehreren Arbeitsjahren umfasst. Neben den Aspekten, die bei der Sortierung der Gedichte in die 12 Kapitel zum Tragen kamen, und der Rolle der Bilder, die ihre Tochter Hannah Medea Breier für die Kapitel geschaffen hat, erzählt die Autorin auch von den Entstehungsprozessen selbst, der Unmittelbarkeit und Dringlichkeit mancher Gedanken und den Überraschungen, die einige Gedichte auch ihr selbst im Nachhinein bereiten.