Im Gastland abhängen

Heute, am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse standen noch einige Erledigungen an, u.a. Bücher für die Lieben zu Hause besorgen und die heurige Ausstellung des Gastlandes Brasiliens zu besuchen.

Beim Eintreten ins Forum 0 erstaunte mich die bunte Helligkeit, die im Gegensatz zu den Gastland-Ausstellungen der letzen Jahre steht. Man kann hier auf bunten Polstern am Boden liegend brasilianische Literatur genießen oder auf einem Fahrrad sitzend die Geschichte von der einfachsten Bibliothek bis zu den literarischen Großereignissen Brasiliens erstrampeln.

Am besten gefielen mir die Hängematten. Ich legte mich rein, setzte den Kopfhörer auf und entschwand im fröhlichen Müßiggang der brasilianischen Rhythmen, die teil sehr poetischen Texte des Liedguts waren auf einem Screen direkt in meinem Blickfeld positioniert gut mitzulesen und – verschwunden waren die guten Vorsätze, noch da und dort auf der Messe vorbeizuschauen!

Auf zum letzten Tag auf der FFBM13

Zuerst mal eine Entschuldigung an alle, die gestern unseren Stream abgehört haben oder besser hören wollten. Obwohl wir hier € 1000 + Ust bei der Messe ablegen, um eine fixe IP und ausreichend Bandbreite zu haben, schaffte es die Messe grad mal 0,1 MB upload zu reichen – natürlich zu wenig und so kams zu mehreren Abrissen im live-Stream.Erst ab 18 Uhr legten sich die Probleme. für heute hat die Messetechnik Abhilfe versprochen. Mal sehen.

Daher waren wir vor allem nach Messeschluss fleissig und nun ist alles im Archiv zum Nachhören. 

Ein Nachmittag am Stand

Natalie Soondrum

Nachdem man sich vom Haupteingang durch die Menschenmassen durchgewühlt hat, ist am Stand von literadio in Halle 4 alles so wie immer. Gedämpfte Stimmen, aber gediegene Stimmung, Autor für Autor, Verleger für Verleger treten auf, setzen sich mit Herbert Gnauer, Daniela Fürst oder Pamela Neuwirth an den Tisch auf dem kleinen Podest und unterhalten sich und andere.

Daniel Wisser liest aus “Der weiße Elefant” und verkündet mit solemner Stimme so etwas wie: “Mein Gott ist kein Jude, kein Palästinenser, sondern Austro-Faschist.” Pause, keine Lacher. Na, doch, heimlich.

Der Kärntner Slowene Lojze Wieser ist ein guter Freund, der in einem familiären Gespräch sein Verlagsprogramm vorstellt und dabei mit ruhigen, aber deutlichen Worten, den Neoliberalismus anprangert und seine Vorstellungen von einem gerechteren Europa kundtut.

Danach geht es nurmehr ums Material: Victor Otto Stomps, berüchtigter Büchermacher, Vater der Rabenpresse, ist Thema von Christian Ewald, selbst Gründer der Katzengraben-Presse. Er ergeht sich über die Kunst, die Buchgestaltung aus dem Textinhalt heraus wachsen zu lassen und was für Vorteile die Wellpappe dabei hat.

Ein Besuch am Stand von literadio ist also ein Geschenk auf der übervollen Büchermesse: Da es eh zu voll ist um stehenden Fußes zu lustwandeln, setzt man sich besser gleich hin und lässt die Ohrwascheln flanieren.

Gastkommentar von Natalie Soondrum, freie Journalistin für die Frankfurter Rundschau u.a.